Der Landkreis Görlitz ist ohne Zweifel ein Tourismuslandkreis. Von Nord nach Süd reihen sich attraktive, meist aber allein vermarktete Attraktionen aneinander. Vom Lausitzer Seenland über das Weltkulturerbe Bad Muskau, den Findlingspark in Nochten, die Nieskyer Holzhaussiedlung, die historische Altstadt von Görlitz, das Industriedenkmal Hirschfelde bis ins Zittauer Gebirge bietet sich eine breite Palette unterschiedlicher Angebote, welche durch zahlreiche Attraktionen jenseits dieser Aufzählung ergänzt werden. Was uns fehlt, ist das Verständnis, als Region zu denken. Zu oft treffen wir auf Egoismen und Abgrenzungen, die zwar für den Einzelnen als begründbar gelten, im Gesamten aber weder die Region stärken noch nachhaltige Effekte erzielen. Dabei scheint es so einfach zu sein, gemeinsam zu handeln. Stellen wir uns vor ein Tourist kommt in die Region. Er könnte an jeder Tourismusinformation alle Angebote buchen und ihm würde das Angebot unterbreitet, ein Paket unterschiedlichster Attraktionen zu erhalten, gleich buchbar und mit öffentlichen Verkehrsmitteln verknüpft. Stellen wir uns vor, der Tourist bekäme dann noch die Offerte, mittels einer Tourismuskarte öffentliche Verkehrsmittel nutzen zu können und zu einem Vorzugspreis in Museen, Tierparks oder Erlebnisbädern Eintritt zu erhalten. Erweitern wir diese Vorstellung noch um eine durchdachte Servicekette für Familien, für Fahrradtouristen, für die Unterbringung von Gepäck beim Stadtbummel usw. So zeigt sich das Bild einer Region, die begriffen hat, dass der Tourist nicht nur ein statistischer Besucher, sondern eben auch ein Konsument ist und sein Geld hier lässt, was im Gegenzug zu mehr Umsätzen führt, mit welchen dann Arbeitsplätze geschaffen werden können. Das hier so einfach Klingende ist aber schwer zu erreichen. Erst recht, wenn man über die Landesgrenzen hinaus denkt und die gesamte Euroregion betrachtet. Es aber nicht versuchen heißt letztlich Entwicklungschancen vergeben. Nach meiner festen Überzeugung ist es der Landkreis Görlitz, welcher aktiv werden muss. Er alleine ist in der Lage, die unterschiedlichen Interessen zu verknüpfen und die zahllosen Anbieter zu vernetzen. Der Landkreis benötigt eine Tourismuskonzeption, welche eine Zielbeschreibung genauso beinhaltet wie einen Gesamtüberblick der Angebote. Inhalt einer solchen Konzeption muss aber auch die Querverbindung zum ÖPNV und zur Raumplanung sein. Mittels dieser Konzeption wären wir dann in der Lage, allen Entscheidungen – seien sie auf kommunaler oder auf Landkreisebene – danach zu prüfen, ob sie in Richtung der Zielbeschreibung laufen oder gegenläufige Effekte erzielen. Eine solche Konzeption kann dann als Leitfaden für die gesamte touristische Wirtschaft dienen und mögliche Investitionen planbarer machen.

Mai 6th, 2009 on 19:08
Ich denke, dies ist ein Denkanstoss in die richtige Richtung. Andere Regionen machen uns das schon seit Jahren sehr erfolgreich vor (siehe z.B. Schwarzwaldcard oder Thüringencard). Warum nicht auch eine Oberlausitzcard? Egal ob als Tages- oder Wochencard, ein wichtiger Punkt um Touristen auch länger in unserer Region zu halten. Vielleicht ist dies eine von vielen Möglichkeiten, die geplante Touristenabgabe der Stadt Görlitz “versteckt”, aber auch für den Touristen mit interessanten Angeboten versehen, zu verkaufen. Die Bereitschaft bei vielen im Landkreis ist da, die Region gemeinsam zu vermarkten. Packen wir es endlich an, und gehen mit Optimismus an die Sache.
Mai 7th, 2009 on 10:32
Das die Idee nicht neu ist und was noch wichtiger ist das sie funktioniert zeigen die Beispiele. Was wir jetzt brauchen ist eine Diskussion wie wir der Umsetzung näher kommen. Eine gemeinsame Tagung aller am Thema interessierten könnte da ein erster Schritt sein. Als ImpulsgeberIn könnten dort RefererntInnen aus Regionen auftreten die bereits gute Erfahrungen gemacht haben und als Ergebnis könnte eine Partei, Vereins und Fraktionsübergreifende Initiative im Landkreis stehen.